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Evaluation Bistro


11/2015

Von Oktober 2013 bis März 2014 führt die Hochschule Luzern eine betriebwirtschaftliche Analyse des Bistros durch und ergänzt sie mit Optimierungsvorschlägen.

Die Analyse wird im Auftrag der Baugenossenschaft Gstückt (BGG) vorgenommen. Von der Hochschule Luzern HSLU beteiligt ist das Institut für Betriebs- und Regionalökonomie (IBR), aber auch das Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur (CCTP). Denn um eine ganzheitliche Beurteilung des Bistros Soligänter im Kontext der Siedlung und des Quartiers zu gewährleisten, werden ergänzend zur betriebswirtschaftlichen Analyse relevante sozial- und funktionalräumliche Aspekte einbezogen.

Das Bistro wird zum Zeitpunkt der Evaluation vom nahegelegenen Alterszentrum Im Grampen betrieben und mit Mahlzeiten beliefert. Der Leiterin obliegt zudem die Koordination und Moderation von Aktivitäten innerhalb der Siedlung. Da die BGG zustimmte, den Mietzins des Bistros als «Starthilfe» jährlich dem Betriebsergebnis anzupassen, kommt der Beurteilung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Bistros in der Analyse eine zentrale Rolle zu. Aus der Untersuchung sollen, wo sinnvoll, aber auch Empfehlungen resultieren. Dies insofern, als vereinbart worden ist, dass betriebliche Optimierungen geprüft würden, sollte sich das Bistro-Modell nach einer gewissen Laufzeit nicht bewähren.

Die Analyse wird von Christoph Küng in einer von der HSLU – Wirtschaft begleiteten Bachelorarbeit erarbeitet. Er übernimmt die Auswertung des Datenmaterials, führt Leitfadeninterviews mit Schlüsselpersonen, Kundeninterviews, Kundenbefragungen mit Fragebogen sowie Beobachtungen durch. Ergänzend finden vier Projektsitzungen mit Verantwortlichen der Siedlung und des Bistros sowie HSLU-Vertretern statt.

Im Schlussbericht vom 29. Oktober 2014 fassen Matthias von Bergen (HSLU IBR), Amelie-Theres Mayer und Jörg Schumacher (beide HSLU CCTP) die wichtigsten Ergebnisse der Evaluation zusammen – mit der einordnenden Bemerkung, dass der Zeitraum der Untersuchung mit sechs Monaten sehr kurz bemessen gewesen sei.


Folgend eine Kurzfassung des Berichts:

Bei der Betriebsorganisation besteht vor allem Optimierungsbedarf im Bereich der Mitarbeiter/innenbindung (hohe Personalfluktuation, durchzogene Mitarbeiter/innen-Zufriedenheit vor allem aufgrund der hohen Belastung resp. Doppelbelastung durch Bistrobetrieb und Aufgaben als Anlaufstelle für die Siedlung). Synergien mit dem Alterszentrum Im Grampen sind nur beschränkt vorhanden.

Die Kundenzufriedenheit ist gross, das Angebot des Bistros kann als ausgesprochen positiv bewertet werden. In Bezug auf das Alter ist der Kundenkreis sehr gemischt. Dies entspricht dem Anspruch der Intergenerationalität des Projektes. Offen bleibt die Frage, an welche Zielgruppe resp. welchen Kundenkreis sich das Bistro vor allem richten soll. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Bewohner/innen der Siedlung offenbar nicht die primäre Kundengruppe des Bistros darstellen.

Im Bereich Marketing stellt die Untersuchung einen mittleren Erfüllungsgrad fest. Die im Businessplan vorgesehenen Kommunikationsmassnahmen sind weitgehend umgesetzt worden. Die aktuelle Kundschaft kommt hauptsächlich aus drei Zielgruppen (interne Kunden, Kunden aus Quartier und Stadt Bülach, Arbeitnehmende umliegender Firmen und Schulen). Besucher von Bewohnern der Alterswohnungen sind eher selten im Bistro anzutreffen. Vor allem bei der internen Zielgruppe der Siedlungsbewohner scheint jedoch noch ein gewisses Potential zu bestehen, ebenso bei Mitarbeitern benachbarter Firmen.

Wirtschaftlichkeit: Das für das Bistro definierte Ziel eines wirtschaftlichen Betriebs ist verfehlt worden: Die Preise erscheinen zwar marktgerecht, können aber die Kosten bei weitem nicht decken. Kosten für Wareneinsatz und Personal sind eindeutig zu hoch. Ein positives Jahresergebnis, das für das 4. Betriebsjahr angestrebt wird, ist unter den heutigen Voraussetzungen absolut unrealistisch. Eine Auslastung, die den im Businessplan formulierten Umsatzzielen entsprechen würde, liegt in weiter Ferne.

Das Fazit des Schlussberichts:
Es ist zumindest in Ansätzen bereits im ersten Halbjahr gelungen, das Bistro zu einem Treffpunkt für die Siedlung und das Quartier zu machen. Es sind Kontaktmöglichkeiten zwischen den Bewohner/innen der Siedlung, aber auch darüber hinaus entstanden. Zudem gibt das Bistro «der Mehrgenerationen-Siedlung Soligänter ein Gesicht» (Küng 2014, S. 114).

Hauptproblempunkt ist die ungenügende Wirtschaftlichkeit. Ohne einschneidende Änderungen ist der Weiterbetrieb des Bistros akut gefährdet. Auch mittelfristig ist kein positives Jahresergebnis zu erwarten.

Zusammenfassend lassen sich diesbezüglich folgende Empfehlungen festhalten:
► Abklärung Gastrobereich durch spezialisierte Beratung; Klärung, inwieweit und unter welchen Bedingungen (Sortiment, Öffnungszeiten etc.) ein wirtschaftlicher und kostendeckender Betrieb machbar ist.
► Informationskanäle zur Bekanntmachung des Angebotes testen: z.B. Vereinszeitung als «Sprachrohr» (gestaltet durch haupt-/ehrenamtliche Mitarbeiter).
Empfehlungen in sozialer und funktionalräumlicher Hinsicht:

Raumqualität des Bistros:
► Gestaltung des Kundenraumes: Ergänzende Angebote (z.B. Kindertische, Spielecke) könnten dazu beitragen, weitere Zielgruppen aus Überbauung und Quartier für das Bistro zu interessieren.
► Arbeitsräume im Bistro: Ablagefläche durch Verzicht auf Kochgelegenheiten vergrössern, wenn warme Mahlzeiten von extern geliefert und nicht vor Ort zubereitet werden; zusätzliche Lagerfläche anbieten.
► Einrichtung eines Nutzgartens: Pflege durch Bistro-Mitarbeitende oder Bewohner. Der Ertrag kann vom Bistro für das gastronomische Angebot genutzt oder bei gemeinsamen Kochveranstaltungen verarbeitet werden.

Vernetzung mit anderen Institutionen:
► z.B. mit Schulen, Kirchen, Vereinen oder Firmen im Umfeld ausbauen (Mittagstisch o.ä.). Ev. könnten nebst dem Bistro auch die Gemeinschaftsräume genutzt werden.

Ehrenamtliches Engagement im Bistro und in der Siedlung:
► Stärkerer Einbezug von Freiwilligenarbeit. Sie sorgt für Kostensenkung bei der Betriebsführung, für stärkere Identifikation der Mieter und für ein grösseres Spektrum an Betreuungsangeboten.
► In die Zukunft denken, wenn die «jungen Alten» älter und viele Mieter auf Unterstützung angewiesen sein werden: Anstellung Hauswart/in als Concierge, der das Bistro als Anlaufstelle entlastet.


Aktivitäten und Veranstaltungen im Bistro und in der Siedlung:
► Eigenes kleines Konzept zum Leistungsbereich «Moderation» unabhängig vom Gastrobetrieb. Potenzial für Moderation/Organisation von Veranstaltungen im Bereich Freiwilligenarbeit. Zudem Ausbau der Aktivitäten: Computer-Kurse für ältere Personen, Sicherheitstraining etc.

Weitere Info:
- Umgesetze Massnahmen (s. Dokumentation «Siedlung Soligänter - Bülach 2013 -2014», erhältlich bei BGG
- Der vollständige Schlussbericht ist einsehbar unter www.age-stiftung.ch/uploads/media/Bericht_Bistrobetrieb_HSLU.pdf


Text/Fotos: Jolanda Lucchini