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11/2015

Nach einem gescheiterten Versuch hat die Baugenossenschaft Gstückt ihr Modell der Siedlungsmoderation auf Eis gelegt. Dank der gemischten, generationenübergreifenden Struktur der Überbauung und einer neuen Bistro-Crew ergeben sich zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern dennoch mehr Kontakte als in normalen Mietliegenschaften, wie folgende Statements zeigen.



Stefanie und Samuel Lienhart

Projektleiterin und Immobilienentwickler

«Der Wohnmix Jung und Alt in der Siedlung Soligäner war bei unserer Wahl der Wohnung ein absolutes Pro-Kriterium. Erstens können ältere, vielleicht einsame Bewohner hier eher Kontakte knüpfen. Und wir Jüngeren sehen, was es bedeutet, älter zu werden. Allerdings braucht es Mut, gezielt aufeinander zuzugehen. Bei uns und den anderen Bewohnern ist das alles noch etwas verhalten.
Eine generationenübergreifende Siedlung bedeutet allerdings auch nicht, dass man das Leben miteinander teilen muss. Es geht unserer Meinung nach mehr um den natürlichen Umgang miteinander. Wir haben zum Beispiel einmal ganz spontan im Bistro eine Seniorin zum Kaffee eingeladen. Und für eine Familie in unserem Haus schauen wir in den Ferien zu Katze und Wohnung.»



Verena Hierholzer

Pensionierte Krankenschwester

«Wir Senioren haben untereinander einen sehr guten Kontakt. Ich kenne praktisch alle Bewohner in meinem Haus, wir sind fast alle per du. Der Mittagstisch, der jeden Dienstag im Bistro stattfindet, sowie das Sommerfest haben viel zum gegenseitigen Kennenlernen beigetragen.»


Peter Manz

Pensionierter Netzwerktechniker

«Ich bin aus praktischen Gründen hierher gezogen. Die Lage der Siedlung ist ruhig, meine Tochter und mein Sohn wohnen in der Nähe, aus Gesundheitsgründen war ich auf einen Lift angewiesen. In meiner schönen hellen 2-Zimmer-Wohnung fühle ich mich wohl. Ich schätze die randlose Dusche, das Notrufsystem und den Waschturm auf der eigenen Etage. Alle zwei Wochen esse ich im Bistro. Das dieses bei Bedarf auch Mahlzeiten in die Wohnung liefert, ist ein super Service. Mein soziales Netzwerk liegt ausserhalb der Siedlung. Punkto Kontakte bin ich daher wenig aktiv. Natürlich kenne ich die Bewohner auf meinem Stockwerk, von den jungen Leuten hingegen noch niemanden. Das liegt wohl auch daran, dass wir Senioren und die Familien in getrennten Blöcken leben. Da muss man schon über den Hof gehen, und es ist eine andere Haustüre.»


Gisela Desiderato

Pensionierte Kunsttherapeutin

«Damit ich meine Mitbewohner kennen lernte, ging ich selber auf sie zu und sprach sie zum Beispiel im Lift an. So entstanden rasch Kontakte. Mit Nachbarn tausche ich gegenseitig Zeitungen und Bücher aus und gehe ins Theater und Konzert. Zur Kommunikation innerhalb der Siedlung trägt aber auch das Bistro viel bei. Wir Senioren spielen dort Lotto oder treffen uns hie und da am Nachmittag zum Kaffee. Das Bistro-Team sorgt für eine herzliche Atmosphäre und ist sehr um uns bemüht. Ich bin auch gerne bereit, in Notsituationen Kinder zu beschäftigen. Oder ich könnte Aufgabenhilfe erteilen. Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe Bülach mache ich dies bereits.»



Peter Frehner

Geschäftsführer der Stiftung Alterszentrum Region Bülach

«Ein Austausch zwischen den Siedlungsbewohnern und der von uns geführten Pflegewohngruppe Soligänter lässt sich nicht einfach so schnell aufbauen. Es ist vielmehr ein langwieriger und zeitaufwändiger Prozess. Demente Menschen brauchen einen stabilen Tagesablauf. Wir können nicht spontan beschliessen, wir gehen jetzt rasch ins Bistro oder hinaus ans Siedlungsfest. Das ist höchstens mit ganz ausgewählten Menschen mit Demenz möglich und hängt auch von ihrer Tagesform ab. Zudem brauchte unsere 16-köpfige Wohngruppe überhaupt erst einmal eine Einzugs- und Assimilierungsphase. Sie dauerte über ein Jahr. Erst danach war es möglich und sinnvoll, mit der Annäherung an die anderen Siedlungsbewohner zu beginnen. Wir boten drei Kennenlern-Termine in einer lockeren Kaffee- und Kuchenrunde an. Immer in Kleingruppen, damit den dementen Menschen nicht zu viel Trubel zugemutet wurde. Auf Seiten der Senioren aus der Siedlung stiess das Angebot auf reges Interesse. Für ein paar grundsätzlich für einen Austausch offene Personen konnte auch der Weg vom Kennenlernen zum Engagement geebnet werden. Sie können sich vorstellen, in der Wohngruppe Geschichten zu erzählen oder mit den dementen Menschen Spiele oder Spaziergänge zu machen. Das sind Aufgaben, die sehr sinnstiftend sind. Es ist allerdings wichtig, dass das Engagement regelmässig ist. Man kann mit Menschen mit diesem Krankheitsbild keine Beziehung aufbauen, wenn man nur zwei drei Mal im Jahr vorbeischaut.

Unsere Stiftung bietet den freiwillig Helfenden auch Unterstützung an. Wir haben eine verantwortliche Stelle, die die Helfer in ihre Aufgabe einführt, die Einsätze koordiniert, bei ihnen rückfragt, ob alles gut läuft und ihnen signalisiert,dass man ihre Hilfe wertschätzt. Pro Jahr werden in unseren Zentren einige Tausend Stunden Freiwilligenarbeit geleistet.»




Ernst Gribi

Pensionierter Apotheker

«Meine Frau lebt in der Pflegewohngruppe. Ich besuche sie fast täglich. Auf unsere gemeinsamen Spaziergänge durch die Siedlung oder für einen Bistrobesuch nehme ich öfters eine weitere Person aus der Wohngruppe mit. Demente Menschen geniessen solche Abwechslungen. Dass sich ihnen nun auch Senioren aus der Siedlung widmen wollen, finde ich deshalb eine gute Idee. Sie könnten zum Beispiel mit ihnen tanzen, das tun fast alle Frauen der Pflegewohngruppe sehr gerne.»



Interview und Fotos: Jolanda Lucchini